Stahlbearbeitung mit Wendeschneidplatten-Bohrern bei reduziertem Kühlschmierstoffeinsatz

Schulte, K.

Produktionsprozesse stehen unter kontinuierlichem Kostendruck bei hohen Qualitätsanforderungen. Die Trockenzerspanung kann durch Senken der Kosten für die Kühlschmierstofftechnik einen Beitrag zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit von Fertigungsprozessen leisten. Auf Grund des hohen Anteils an den Zerspanaufgaben und den verfahrenstechnischen Besonderheiten nehmen Bohrprozesse eine Schlüsselstellung in der Trockenzerspanung ein. In der Mehrzahl der Anwendungsfälle erfordert die Trockenzerspanung eine Anpasung von Schneidstoff, Werkzeug, Schnittparametern sowie von Werkzeug und Umfeld an die geänderten Randbedingungen.

Werkstoffe höherer Festigkeit und Zähigkeit, wie z.B. Vergütungs- und Edelstähle, sind durch große Zerspankräfte und starke Adhäsion in der Trockenzerspanung besonders problematisch. Das Bohren von austenitischen, rost- und säurebeständigem Stahl kann in der Trockenzerspanung mit Bearbeitungs- und Standzeiten erfolgen, die die Werte der konventionellen Prozessführung unter Zuhilfenahme von Emulsion erreichen. Dabei wurde die Hauptzeit um die Hälfte reduziert. Die Trockenzerspanung von unlegiertem Vergütungsstahl erfolgt nun mit Standwegen, die die Standwege der "Nasszerspanung" um mehr als Fünffache übersteigen, bei gleichzeitiger Verdoppelung der Schnittgeschwindigkeit und vergleichbaren Qualitätmerkmalen. Sowohl durch den Entfall der Kreislauftechnik zur Kühlschmierstoffversorgung als auch durch größere Standwege der eingesetzten Werkzeuge kann somit die Wirtschftlichkeit von Bohrprozessen künftig wesentlich gesteigert werden. Gleichzeitig wird ein Beitrag zum Arbeits- und Umweltschutz geleistet.

Veröffentlicht als

Dissertation, Universität Dortmund, Vulkan Verlag, Essen, 2000, ISBN 3-8027-8710-2