Analyse und Gestaltung von Werkzeugversorgungssystemen in der spanenden Fertigung

Mumm, A.

Die Arbeit befaßt sich mit der Analyse und daraus zu folgernden Gestaltungsmaßnahmen bei industriellen Versorgungssystemen für Zerspanungswerkzeuge. Unter Werkzeugversorgung werden alle Vorgänge im Zusammenhang mit der Versorgung von Betriebsbereichen mit Zerspanungswerkzeugen verstanden, insbesondere die Werkzeugbeschaffung, die Werkzeugvorbereitung (Auslagern, Montieren, Vorein-stellen), der maschinenexterne Werkzeugtransport, die Werkzeugaufbereitung (Prüfen, Demontieren, Instandsetzen, Aussondern), die Werkzeuglagerung sowie die Bewirtschaftung. Deshalb sind bei Analyse und Gestaltung von Werkzeugversorgungssystemen vielfältige Aspekte wie Werkzeuglogistik, Werkzeugdaten- und Werkzeuginformationsfluß, Werkzeugbewirtschaftung, Werkzeugverwendungskosten und organisatorische Einbindung zu beachten.

Der Schwerpunkt der hier vorgestellten Forschungsarbeit liegt im Aufzeigen von Verbesserungsmöglichkeiten der Werkzeugversorgungssysteme in Fertigungsunternehmen. Für eine kosten- und qualitätsoptimale Fertigung ist eine situationsgerechte Werkzeugversorgung von zentraler Bedeutung.

Trotz der Schilderung von Mißständen bei der Werkzeugversorgung fehlen den Unternehmen häufig konkrete Ansatzpunkte und die Kenntnis geeigneter Maßnahmen. In vielen Fällen ist die vollständige technische und wirtschaftliche Beurteilung von Werkzeugversorgungssystemen nicht möglich. Nach der bisherigen Annahme der Fachliteratur und der Industrie beträgt der Werkzeugkostenanteil ca. 3 bis 5 % an den Fertigungskosten. Diese Annahme wurde qualitativ durch eine Analyse der kostenrechnerischen Verfahren als zu niedrig widerlegt. Quantitativ konnte durch eine computergestütze Kostensimulation eines Werkzeugversorgungsprozesses in der Großserienproduktion nachgewiesen werden, daß die Werkzeugverwendungskosten mindestens 8 % der Stückkosten betragen.

Um die Fundamentalziele der Werkzeugversorgung, die Erfüllung des Versorgungsauftrages und die Wirtschaftlichkeit zu verfolgen, können globale und lokale Strategien geeignete Mittel sein. Es wurden Betriebsstrategien als lokale Strategie und das Outsourcing der Werkzeugversorgung als globale Strategie vertieft betrachtet.

Ein Katalog von Gestaltungsmaßnahmen für Werkzeugversorgungsprozesse wurde nach dem zeitlichen Charakter und dem Anspruchsniveau der Gestaltungsdimensionen in die Bereiche Rationalisierung, Reorganisation und Fremdvergabe unterteilt. Aus dem Katalog lassen sich je nach der betriebsspezifischen Situation Empfehlungen ableiten.

Veröffentlicht als

Dissertation, Universität Dortmund, Vulkan Verlag, Essen, 1999, ISBN 3-8027-8705-6